Start der ersten Sommer-AG "Technik für Kinder"
Über trockene Theorien und strahlende Augen
PROJEKTEKURSE
Jonathan Eckstein
6/12/20263 min lesen


Am 09.06.26 startete bei mir in Freiberg am Neckar im Rahmen der Sommer-AGs der Kasteneckschule der zweiteilige Kurs "Technik für Kinder", für den sich acht Kinder der Klassen 2-4 angemeldet haben.
Positiv überrascht war ich darüber, dass wir mit fünf Mädchen und drei Jungen eine Mädchenmehrheit für ein technisches-naturwissenschaftliches Thema gefunden haben.
Aufbau des Kurses
90 Minuten sind für den Rahmen eines solchen Kurses doch "nur" 90 Minuten, die schneller vorbei sind, als man denkt.
Eingedenk dessen habe ich den Kurs in drei Phasen aufgeteilt, was sich als gute Struktur erwiesen hat.
Theoretische Hintergründe
Wir haben uns zunächst darüber unterhalten, was genau denn eigentlich eine Maschine ist, welche Eigenschaften Maschinen haben, wofür man sie baut und braucht. Was Elektronik ist und was Mechatronik, haben wir ebenfalls diskutiert. Was man unter einem (technischen) System versteht, durfte dabei ebenso wenig fehlen. Die dreißig Minuten hierfür waren gut angesetzt und auch nötig, um ein Gefühl für das technische und Projektdenken zu vermitteln. Länger hätte es allerdings nicht sein dürfen, da die Aufmerksamkeit langsam zu schwinden drohte und schon Nachfragen kamen, ob wir noch was anderes machen würden. ;)


Vorführung von Bauteilen und Projektchen
Hier kam nun als zweite Phase des Kurses der Schwenk auf die Konfrontation mit Dingen zum Anfassen und Ausprobieren wie gerufen. Ich habe Kleinstzusammenbauten vorbereitet, die die Kinder ausprobieren konnten, wie der Steuerung eines Servos oder eines LED-Rings mittels eines Joysticks. Wir haben auch einfach mal einen DC-Motor über Plus und Minus an eine Batterie rangehalten, um einen elektrischen Schaltkreis zu veranschaulichen. Getriebemodelle für ein Differential und eine Kulissenführung sollen die Bewegungs- und Kraftübertragungen als Funktionen einer Maschine verdeutlichen.
Wir haben eine Vielzahl von Sensoren besprochen, am Vorbild der eigenen körperlichen Sinne Sehen, Hören, Fühlen, Schmecken - und abgeleitet davon als Aktoren/Motoren das Greifen, Halten, Rufen, Laufen, Hüpfen beschrieben.
Projektideenphase
Mit dem ganzen schönen Input hat die Gruppe dann in der dritten Phase die Aufgabe bekommen, sich zu überlegen, welches Projekt sie gemeinsam umsetzen würden, das auch in der Schule nutzvoll eingesetzt werden kann. Eine freie Reinruf- und Diskussionsphase kristallierte eine Mischung aus Begrüßungs-/Verabschiedungs- und/oder Lieferroboter heraus, der die Schulgänge entlangfahren und Botengänge zwischen den Klassenräumen übernehmen solle.
Hierbei waren die Wünsche selbstverständlich sehr groß. Der Roboter solle abwechselnd mit den Stimmen der Lehrerinnen antworten können, er soll auf Unterhaltungen hören und reagieren können, er soll die Etagen wechseln können. Am besten soll er auch noch die Lieblingsmusik der SchülerInnen abspielen und auf Knopfdruck eine gewünschte Süßigkeit ausgeben können.
Im Anschluss an diese Phase sollten die Kinder je einzeln aufzeichnen und/oder -schreiben, wie genau denn der Roboter dazu aussehen und welche Funktionen er haben soll. Ketten, Räder, Beine, Propeller, Düsenantrieb? Mit Gesicht oder ohne? Arme, Krebsscheren, Robotergreifer? Auf diese Funktionen mussten sich alle in der Gruppe einigen. Es soll ja ein gemeinsames Projekt werden. Das klappte auch sehr gut, es gab viel Austausch und gute Gespräche, Streitereien blieben ganz aus.
Wir mussten uns am Ende sogar terminlich hochprofessionell absprechen, da ich angemerkt hatte, dass die 90 Minuten jetzt schon so schnell vergangen sind, und wir beim nächsten Mal ja in dieser Zeit alles weitere machen müssen, vom Zusammenbauen, übers Programmieren bis zum Funktionstesten und Problembeheben - und dass wir uns von den Kernfunktionen herauftasten müssten. Erst fahren, dann greifen, dann ggf. Kamera, Mikrofon und Lautsprecher.
Daher wurde schnell nach mehr Zeit und zusätzlichen Terminen gefragt, die aufgrund der vollen Terminkalender der Kinder gar nicht so einfach zu finden waren. Die Absprache lief aber sachlicher als in so manch beruflichem Kontext. Interesse an der Weiterarbeit ist auf jeden Fall stark vorhanden.
Für den zweiten Teil der AG werde ich schon die Grundgerüste vorbereiten und auch schon einmal eine mögliche Steuerung testen, damit sich die Frustration in Grenzen halten und ein Erfolgserlebnis schneller einstellen kann.






